Streuobst erfassen, bewerten und vermitteln – Integratives Monitoring-Konzept zur nachhaltigen Entwicklung und Kommunikation von Streuobstbeständen in Bad Schönborn

M.Sc. Mira Hansch, Dr. Anne Schneibel, Prof. Dr. Alexander Siegmund

 

Streuobstwiesen mit ihren großkronigen und hochstämmigen Obstbäumen spiegeln wie kaum eine andere Landschaftsform den Charakter des Landes Baden-Württemberg, speziell auch der Gemeinde Bad Schönborn, wider. Sie sind Zeugnis einer traditionellen Landnutzungsform und sowohl für den Boden- und Wasserschutz, als auch für Tourismus und Naherholung von Bedeutung. Auch aus der Sicht des Naturschutzes sind die baden-württembergischen Streuobstwiesen von herausragendem, universellem Wert. Sie bieten Lebensraum, ausreichend Nahrung und sind durch ihre extensive Nutzung auch für seltene Tier- und Pflanzenarten der bis zu 5000 dort vorkommenden Arten relevant. Streuobstwiesen zählen dadurch zu den artenreichsten Landschaftsformen in Mitteleuropa.

Trotz ihres Stellenwerts als prägendes Landschaftselement und der Anerkennung wichtiger Ökosystemdienstleistungen, geht der Bestand der Streuobstwiesen in Baden Württemberg stetig zurück. Nur noch die Hälfte der Streuobstflächen aus den 1960er Jahren ist heute erhalten. Zudem werden nahezu 80 % der Streuobstbäume nicht in ausreichendem Umfang gepflegt, was besonders auf die zunehmende Überalterung der Eigentümer zurückzuführen ist. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wird exemplarisch für die Gemeinde Bad Schönborn ein integratives Monitoringkonzept entwickelt, das einerseits unter Einbeziehung moderner Geotechnologien die gegenwärtigen Bestände erfasst und bewertet und andererseits innovative Bildungs- und Aktivierungsmaßnahmen der Bevölkerung zum Erhalt und zur Aufwertung der Streuobstbestände umsetzt.

Zur Erfassung und Bewertung der Streuobstwiesen auf lokaler Anwendungsebene werden durch den Einsatz unbemannter Drohnen zunächst hochauflösende, multispektrale Orthofotos und Digitale Oberflächenmodelle (DOM) generiert. Darauf aufbauend werden geeignete Indikatoren wie z. B. Blattflächenindex, Bestandsdichte oder Kronenstruktur und -durchmesser berechnet. Diese Indikatoren dienen dann der Erfassung der Bestandsstruktur sowie des Pflegezustands der Streuobstwiesen, welche bei mehrfacher Befliegung auch als Zeitreihen generiert werden können. Der Aufbau eines öffentlichen, interaktiven Web-GIS, in dem die Ergebnisse zusammengetragen werden, soll interessierten Bürger auch die Möglichkeit bieten, eigene Kenntnisse und Beobachtungen einfließen zu lassen, die dann wiederum zur Validierung, Ergänzung und Fortführung des Datenbestandes genutzt werden können. In Verbindung mit weiteren Aktivierungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen, insbesondere für jüngere Generationen, soll daraus ein dauerhaft tragfähiges Konzept zur Erhaltung und Pflege der Streuobstwiesen entstehen.

 

Drohne der Research Group for Earth Observation bei der Aufnahme des Obst-Gen-Gartens in Bad Schönborn (Aufnahme: Audi Stiftung für Umwelt GmbH)

 

Projektbeginn: Juli 2018

Das Projekt wird gefördert durch die Audi Stiftung für Umwelt GmbH

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